Review: decoded 2011

Zum zweiten Mal fand dieses Jahr die decoded statt, die Konferenz für Code und Design. Sechs Vorträge bewegten die Münchener Medieninformatik-Szene in die Freiheizhalle im Arnulfpark, wo man sich inspierieren lassen und kräftig netzwerken konnte.

Die Vorträge waren von herrlich unterschiedlicher Qulität. Zunächst kam Stephen Williams zu Wort, der mit Fluid Forms ein Pionier in der Welt der “Mass Customization” ist. Hochinteressant war nicht nur sein Werdegang und seine Produkte, sondern auch eine kurze Live-Demonstration der frei verfügbaren Fluid Forms Libs, mit deren Hilfe sich in Processing schnellstens 3D-Prototypen basteln lassen. Sein Vortrag passte in geradezu idealer Weise zum Motto der Konferenz, spannte er doch den perfekten Bogen von Design zu Code.

Dem folgte Professor Herbert W. Franke, Mitbegründer der Ars Electronica, Lehrstuhlinhaber an der LMU und auch sonst bedeutender Vorreiter digitaler Ausrucksformen. Er rannte beim Publikum offene Türen ein, als er die Chancen digitaler Bildgestaltung betonte und dabei begeistert Beispiele zeigte, die aus den Anfängen der “Virtual Reality” stammten. Neues gab es hier nicht zu erfahren, dafür kamen dem einen oder anderen “alten Hasen” (wir mir) schon fast die Tränen angesichts der Erkenntniss, wie weit wir in den letzten Zwanzig Jahren gekommen sind. Man wünschte sich nur, jemand würde Prof. Franke mal eine Playstation 3 schenken, als er über die zukünfigen Möglichkeiten des Einsatzes von “Avataren in virtuellen Welten” referierte und dabei seine Arbeit der letzten drei Jahre zeigte.

Nach der Mittagspause hatten eboy (nicht zu verwechseln mit dem Auktionshaus) Gelegenheit, eine umfangreiche Retrospektive ihrer Arbeit vorzustellen. Durch kleine Anekdoten und kurze Einblicke in die Arbeitsweise wurde das ganze genügend aufgelockert, um eine Dreiviertelstunde lang interessant zu bleiben.

Gesundheitlich schwer angeschlagen (Erkältung) schleppte sich am Anschluss LIA, Softwarekünstlerin aus Graz, tapfer durch ihren Vortrag. Sie demonstrierte live, wie sich mit Processing Kunst gestalten lässt, wenn man keine Ahnung von Programmieren hat. “Echten” Programmierern wurde dabei abwechselnd heiß und kalt, aber zumindest konnte man zwei Erkenntnisse mitnehmen: Programmfehler können zu faszinierenden Ergebnissen führen und Processing sollte man sich mal ansehen.

Die besten Vorträge hatten sich die Veranstalter allerdings zu Schluss aufgehoben. Kate Hartman aus Kanada hatte keine Schwierigkeiten, das Publikum für ihre leichtfüßige und künstlerische Arbeit mit tragbarer Elektronik zu begeistern. Hier kam zum ersten mal ein bisschen ein TED-Gefühl auf, was kein Zufall war: Kate hat bereits bei TED gesprochen.

Der Knüller war dann zuletzt Jer Thorpe aka blprnt, dessen Arbeiten jedem an Visualisierung interessiertem ein Begriff sein dürften. Wie schon zuvor Kate kommt auch er aus Kanada und ist es gewohnt, vor Publikum zu sprechen. Das machte seinen Vortrag zu einem Genuss, bei dem es viel zu lachen und auch zu staunen gab, nicht zuletzt wegen der faszinierenden Projekte, die er vorstellte. Auch er arbeitet fast ausschließlich mit Processing und dürfte auch den letzten überzeugt haben, dass man um dieses Tool nicht dauerhaft herum kommt. Aber: er setzt auch Flash ein! Go Adobe!

Die Vorträge waren jedenfalls inspirierend genug, um den Preis des Tickets zu rechtfertigen. Dazu kommt, dass man jede Menge bekannte sieht, gerade als münchener Freelancer hat das ganz etwas von einem Jahrgangstreffen. All die Menschen, die sich inzwischen in alle Himmelsrichtungen bzw. Agenturen zerstreut haben finden sich hier wieder.

Ich denke, ich werde nächstes Jahr wieder dabei sein.